Polythematik

Politik, Netzkultur und was mir sonst so einfällt

Future Music Camp 2009

Mal ein paar Eindrücke vom Future Music Camp. Es war mein erstes Barcamp, und ich muss sagen: Ich bin total begeistert! Das Konzept war denkbar einfach: Interessierte Leute treffen sich, um über ein Thema zu reden und überlegen sich vor Ort, welche Sessions abgehalten werden. In den Sessions stellt dann einer seine Thesen, Projekte etc. vor und dabei wird offen gefragt und diskutiert.

Ganz interessant war dabei die Mischung aus Meinungs- und Interessenaustausch, eine kleine Priese Microlobbyismus, Horizonterweiterung, … für mich hab ich einige interessante Dinge mit genommen:

  • So globalisiert die Welt auch ist, Sprachbarrieren sind ein unglaubliches Problem: Wer in Ländern, in denen der Standartzeichensatz nicht gerade lateinischer Natur ist (Russland, China, Indien,…), nach Musik aus ebendiesen Gegenden sucht, bekommt keine vergleichbaren Ergebnisse mit “ASCII-Ländern”. So ist die Schrift (nicht einmal die gesammte Sprache) eine große Hürde, bei der Entdeckung von neuer Musik.
  • Jeder will am besten alles über alles wissen, aber niemand weiß, wer dieses Wissen bereitstellen will: Eine einzige Plattform ist als Monopol nicht wünschenswert, mehrere Plattformen haben aber wieder nicht alle Informationen, die man wissen können wollte.
  • Neue Vertriebswege müssen kommen, Musik ist (wieder) nicht (mehr) an Materielles wie CDs – allein, weil die Möglichkeiten, privat Musik zu hören, gewachsen sind: Auf dem Netbook im Zug, MP3-Player beim Joggen, am PC an der Stereoanlage, bei Freunden, und für alles braucht es (im Idealfall) ein anderes Format – von denen es auch wieder grundlegend Unterschiedliche gibt, v.a. Web-Stream, und Offline-Datei.
  • Es gibt viele Sichtweisen auf Musik, die auch mit den Hörerfahrungen zu tun haben; einige Beispiele: Dienstleistung, Erlebnis, Kulturaussage.
  • Es gibt zu viel Musik für zu wenig Zeit am Tag, deshalb will der Mensch Empfehlungssysteme á là last-fm. War für mich übrigens neu, dass das auf Empfehlung aus ist, dachte immer (naiverweise) an “dynamisches Web-Radio” oder so ähnlich, aber das aus der Perspektive zu sehen ist sehr interessant.
  • Künstler sind oft noch weiter unten in der “Nahrungskette Musikindustrie”, als man glauben mag: Auf der einen Seite sehen sie von den Gewinnausschüttungen nur sowenig, wie die Rechteverwerter ihnen – häufig äußerst intransparent – zugestehen, zum anderen schrumpft auch die Möglichkeit, mit Merchandising auf Konzerten selbst Geld zu verdienen, weil auch hier immer mehr abzugeben ist.

Wahrscheinlich gab es unterbewusst auch noch viel, viel mehr, was sich in meine Synapsen eingebrannt hat. Inhaltlich mag ich jetzt garnichtmehr so viel schreiben, da finden sich im Wiki genug Links zu ;) Aber alles in allem hat es sich definitiv gelohnt!

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